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Kampfzone Ossola in Bremen: 7.10.2026/19:00

Date & Time:

September 24 @ 8:00 am - 5:00 pm

Am Mittwoch, 7. Oktober 2026, stellt Raphael Rues in Bremen das Buch «Kampfzone Ossola. Der Widerstand an der Schweizer Südgrenze 1943–1945» vor. Die Veranstaltung beginnt um 19 Uhr im Flux in der Weserburg auf dem Teerhof und umfasst einen Vortrag mit anschliessender Diskussion. Organisiert wird der Abend von der Deutsch-Italienischen Gesellschaft Bremen und der Rosa-Luxemburg-Initiative – Rosa-Luxemburg-Stiftung Bremen.

Waldemar Pabst (1880–1970) war ein deutscher Offizier und Rechtsextremist. 1919 befahl er die Ermordung von Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht. Nach Beteiligung am Kapp-Putsch floh er nach Österreich, später in die Schweiz. Dort verwickelte er sich in Rüstungsgeschäfte und Geheimdienstkontakte. Nach 1945 war er erneut als Waffenhändler tätig. Quelle: Wikipedia
Waldemar Pabst (1880–1970) war ein deutscher Offizier und Rechtsextremist. 1919 befahl er die Ermordung von Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht. Nach Beteiligung am Kapp-Putsch floh er nach Österreich, später in die Schweiz. Dort verwickelte er sich in Rüstungsgeschäfte und Geheimdienstkontakte. Nach 1945 war er erneut als Waffenhändler tätig. Quelle: Wikipedia

Das Buch, das Rues gemeinsam mit Andrej Abplanalp verfasst hat, erschien im März 2026 im Verlag Hier und Jetzt in der Reihe «Schweiz im Überblick». Es behandelt die rund 20 Monate, in denen die Region Ossola, eingekeilt zwischen den Kantonen Wallis und Tessin, zur Kampfzone wurde. Auf engstem Raum standen sich Partisanenverbände und deutsche Besatzungstruppen gegenüber, die von italienischen Faschisten unterstützt wurden. Die neutrale Schweiz wurde zunehmend in diesen Konflikt hineingezogen. Auf rund 190 Seiten und mit etwa 60 Abbildungen und Karten zeichnen die Autoren die Beziehungen zwischen Partisanen, Besatzern, faschistischen Milizen und Schweizer Behörden nach.

Im Zentrum steht die Partisanenrepublik Ossola, die von September bis Oktober 1944 während 40 Tagen der Wehrmacht und den faschistischen Verbänden standhielt. In dieser kurzen Zeit führte sie das Frauenstimmrecht ein. Die historische Forschung liest diese Episode mitunter als frühes Element jener demokratischen Neuordnung, an welche die ersten italienischen Nachkriegsregierungen nach 1945 anknüpften.

Italienische Partisanen in der Valle Cannobina am 11. Oktober 1944: Letzte Verteidigungszüge mit einer erbeuteten Kanone auf einem handkarrenartigen Wagen. Sie stemmen sich gegen mehrere Kompanien des SS-Polizei Rgt. 15, 2. Bataillon. Die Partisanen sind entschlossen, ihre Stellungen zu halten, auch wenn sie zahlenmäßig unterlegen sind. Quelle: Casa della Resistenza
Italienische Partisanen in der Valle Cannobina am 11. Oktober 1944: Letzte Verteidigungszüge mit einer erbeuteten Kanone auf einem handkarrenartigen Wagen. Sie stemmen sich gegen mehrere Kompanien des SS-Polizei Rgt. 15, 2. Bataillon. Die Partisanen sind entschlossen, ihre Stellungen zu halten, auch wenn sie zahlenmäßig unterlegen sind. Quelle: Casa della Resistenza

Die Darstellung beschränkt sich jedoch nicht auf die Partisanenrepublik. Sie behandelt verschiedene Aspekte der Besatzung und die ambivalente Haltung der Schweiz. Im Tessin duldeten Staatsräte wie Guglielmo Canevascini und Giuseppe Lepori den Waffenschmuggel über die Grenze und die Aufnahme von Partisanen. Tessinerinnen und Tessiner schmuggelten Medikamente und Waffen, versteckten Verfolgte oder kämpften in den Reihen des Widerstands, darunter Silvio Baccalà aus Brissago, Vincenzo Martinetti und Gaby Antognini. Martinetti wurde nach dem Krieg von einem Schweizer Militärgericht wegen Verletzung der Neutralität zu vier Monaten Gefängnis bedingt verurteilt. Zur gleichen Zeit wies die Schweiz jüdische Flüchtlinge an der Grenze zurück. Im Herbst 1943 ermordeten Einheiten der Leibstandarte SS Adolf Hitler am Lago Maggiore mindestens 57 jüdische Menschen, wenige Kilometer von der Landesgrenze entfernt. Ein weiteres Kapitel gilt der Operation Sunrise, bei der SS-General Karl Wolff im März 1945 in Zürich und Ascona mit dem amerikanischen Geheimdienst OSS über die Kapitulation der deutschen Truppen in Italien verhandelte. Vermittelt wurden die Gespräche unter anderem von Max Waibel vom Schweizer Nachrichtendienst und vom Pädagogen Max Husmann.

Das Erscheinen des Buches fiel in die Zeit, in der die eidgenössischen Räte über die Rehabilitierung jener Schweizerinnen und Schweizer berieten, die im Zweiten Weltkrieg in der französischen Résistance oder der italienischen Resistenza gegen den Faschismus gekämpft hatten und dafür verurteilt worden waren. Das Gesetz wurde im Juni 2026 verabschiedet.

Titelseite der Locarneser Zeitung L’Avanguardia: Ein Bericht meldet erste Hilfslieferungen für die Partisanenrepublik Ossola über die Centovallibahn. Unter dem Schutz des Roten Kreuzes rollten Züge von Locarno nach Domodossola, um die Zivilbevölkerung und das befreite Gebiet mit Lebensmitteln und Medikamenten zu versorgen.
Titelseite der Locarneser Zeitung L’Avanguardia: Ein Bericht meldet erste Hilfslieferungen für die Partisanenrepublik Ossola über die Centovallibahn. Unter dem Schutz des Roten Kreuzes rollten Züge von Locarno nach Domodossola, um die Zivilbevölkerung und das befreite Gebiet mit Lebensmitteln und Medikamenten zu versorgen.

Ein zweiter Schwerpunkt des Abends ist der Fall Waldemar Pabst. Der ehemalige Freikorpsoffizier, der im Januar 1919 die Ermordung von Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht zu verantworten hatte, lebte während des Krieges 18 Monate als politischer Flüchtling im Schlosshotel Locarno. Rues hat diesen Aufenthalt umfassend erforscht und ordnet ihn in den Kontext der schweizerischen Haltung jener Jahre ein, die zwischen Unterstützung des Widerstands, Abweisung von Verfolgten und Verbindungen zum nationalsozialistischen System schwankte. Für eine Veranstaltung der Rosa-Luxemburg-Stiftung ergibt sich damit ein direkter Bezug zwischen der Bremer Gegenwart und der Geschichte an der Schweizer Südgrenze.

Ein Unteroffizier des deutschen Zollgrenzschutzes in der Valle Cannobina am 20. Oktober 1944. Im Rahmen von Verhandlungen zwischen partisanischen Verbänden und faschistischen Kräften kam es in der Region zu einem Gefangenenaustausch, bei dem Angehörige der Grenzaufsicht und Truppenteile als Vermittler oder Beteiligte vor Ort agierten.
Ein Unteroffizier des deutschen Zollgrenzschutzes in der Valle Cannobina am 20. Oktober 1944. Im Rahmen von Verhandlungen zwischen partisanischen Verbänden und faschistischen Kräften kam es in der Region zu einem Gefangenenaustausch, bei dem Angehörige der Grenzaufsicht und Truppenteile als Vermittler oder Beteiligte vor Ort agierten.

Der Tessiner Historiker Dr. Raphael Rues forscht zur Geschichte des Tessins und zu den deutsch-faschistischen Beziehungen während des Zweiten Weltkriegs. Andrej Abplanalp lebte in Domodossola und forschte zur Partisanenrepublik Ossola. Heute ist er Kommunikationschef des Schweizerischen Nationalmuseums.

«Kampfzone Ossola. Der Widerstand an der Schweizer Südgrenze 1943–1945» von Raphael Rues und Andrej Abplanalp ist im Verlag Hier und Jetzt erschienen (gebunden, 14 × 21 cm, Fr. 29.– / € 29.–, ISBN 978-3-03919-666-1, E-Book ISBN 978-3-03919-678-4). Weitere Informationen finden sich unter www.kampfzoneossola.ch, www.insubricahistorica.ch und www.percorsodellasperanza.org.

Bildlegende: Partisanen bei den Verteidigungskämpfen der Partisanenrepublik Ossola am 10. Oktober 1944 im Valle Cannobina, unweit der Schweizer Grenze. Quelle: Casa della Resistenza Verbania